Mitate
Akihiro Higuchi's fein inszeniertes Spiel mit Kultur, Natur und Kreatur zeugt von einer ästhetisch anspielungsreichen Raffinesse, die in Japan in der Tradition des Mitate, einer ursprünglichen literarischen Form der Beschreibung steht. Unter Mitate versteht man auch das Spiel mit assoziativen Stellvertretern vorgegebener Formen. Berühmte Meister der Teezeremonie aus dem 16. Jahrhundert etwa ersetzten wertvolle Teeschalen durch formverwandte, jedoch minderwertige, nicht für den Teegenuss vorgesehene Gefäße. Die Kunst des Mitate zeigt sich ebenso in den animalischen Werken von Akihiro Higuchi. Etwa darin, dass der Künstler mit dem schelllackähnlichen Glanz der Käfer auf die glänzende Lackoberfläche japanischer Schalen und Gefäße anspielt. In doppelter Hinsicht ersetzt Natur damit den kulturellen Hintergrund, als materieller Bildträger sowie als perfekter Ersatz für einen malerisch erzeugten Untergrund. Ähnlich verfährt Higuchi mit bunten und populären Spielzeugfiguren, die er neben klassische Götterdarstellungen platziert. Die Figuren aus den gegensätzlichen Welten von High and Low haben jedoch eines gemeinsam: ihre Körperhaltung, die sich nach einem tradierten Kanon ausrichtet.
(Textauszug: Wolf Jahn)
Mit freundlicher Unterstützung der Mikiko Sato Gallery









